Lobbyismus ist ja zur Zeit in aller Munde, obwohl ich beim Thema rund um Strasser eher ein anderes Wort dafür verwenden würde und meine Verwunderung weiterhin groß ist, dass "der Schöne und Erfolgreiche" noch immer frei herumläuft ...
Aber egal, darum soll es in diesem Beitrag eindeutig nicht gehen, ich widme mich dem Thema "keine Lobby haben" sinnbildlich dafür, dass man nichts richtig machen kann und alles gegen einen ausgelegt wird, bzw. dem Gegenbeispiel "Everybodys Darling zu sein". Wie singen schon die Sportfreunde Stiller so schön - "Ich hab keine Lobby in meinem Fußballverein" :)
Aufhängen möchte ich das alles am gestrigen Länderspiel, der leider sehr schwachen Österreicher und den Reflektionen danach in den Medien. Constantini hat sich richtigerweise (kA warum, vielleicht brauchte er einen Sündenbock) für Marc Janko statt Stefan Maierhofer im Sturm entschieden.
Janko auf der einen Seite: Sachlich nüchtern, intellektuell und damit etwas distanziert wirkend - fußballerisch ein Spieler mit einer sehr starken Technik und gutem Spielverständnis. Und auch dem richtigen Torriecher und dadurch mit einer super Quote im Nationalteam und Rekordtorschütze bei Red Bull Salzburg.
Auf der anderen Seite Maierhofer: Emotionaler Kämpfer, der sehr viel rackert, eine Mannschaft mitreißen kann und mit seiner "Stammtischmentalität" dem Großteil der Österreicher aus der Seele spricht - fußballerisch wirkt er öfter sehr unbeholfen und verliert trotz seiner Größer erstaunlich viele Kopfballduelle. Bis auf seine Zeit bei Rapid ist seine Torquote eher schlecht, im Nationalteam konnte er überhaupt erst ein Tor erzielen.
So war es auch gestern bei diesem Spiel: Janko überzeugt durch sein Spielverständnis, ließ Bälle schlau prallen und holte viele Freistöße heraus, wo ihn die Verteidiger unfair stoppen mussten, weil er sonst mit dem Kopf an den Ball gekommen wäre. Nach seiner Einwechslung brachte Maierhofer etwas Elan rein, es reichte allerdings zu keiner einzigen Torchance durch in und er verlor wieder erschreckend viele Kopfballduelle - Freistöße verursachte er nur für Belgien durch ein paar Fouls.
So weit so gut, ist ja auch okay so, wie schon erwähnt beide Spieler haben ihre Qualitäten und es gibt sicher Situation wo Maierhofer dem Team gut weiterhelfen kann, auch die Auswechslung von Janko ist zu akzeptieren - und dass beide vom Mittelfeld hängen gelassen wurden war offensichtlich.
Was allerdings eindeutig nicht in Ordnung ist, wie nun mit beiden umgegangen wird - schon bei seiner Auswechslung wurde Janko ausgepfiffen und in den Medien, aber vor allem in diversen Foren, wird über ihn hergezogen.
Das beste Beispiel dafür ist wohl die Bewertung auf orf.at - wo Janko zu den am schlechtesten und Maierhofer zu den am besten bewerteten Spielern zählt; das muss ich hier einfach zitieren:
Marc Janko: Nicht genügend
Seine Riesenchance in der elften Minute muss Janko machen. Ein schneller Ausgleich hätte dem Team wieder Selbstvertrauen gegeben, aber der Kapitän war viel zu unentschlossen vor dem Tor. Danach war Janko offensiv kaum noch wahrnehmbar. Wenige Minuten nach der Pause musste er begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert vom Platz.
Stefan Maierhofer: Befriedigend
Gleich nach seiner Einwechslung hatte man das Gefühl, dass ein kleiner Ruck durch die Mannschaft geht. Für ein paar Minuten ging ein wenig Gefahr vom ÖFB-Team aus. Maierhofer selbst blieb aber auch wirkungslos.
Inhaltlich vielleicht noch ein bisschen okay, aber die Bewertung ...
standard.at schlägt in die selbe Kerbe, auch wenn man ein bisschen zwischen den Zeilen lesen muss:
Teamchef Dietmar Constantini hatte die Wahl zwischen 1,96 und 2,02 Meter, er entschied sich diesmal für den Kleineren, also für Marc Janko. Und gegen Stefan Maierhofer. Er bevorzugte jenen Mittelstürmer, der technisch versierter ist und auf die Chance wartet. Kilometer fressen andere. Natürlich bewegt sich Janko schon auch. Maierhofer rennt und rennt, grätscht und grätscht, er öffnet Räume für die Kollegen, ab und zu springt ihm halt der Ball vom Fuß und ins Out. Sein Wille ist nicht nur in Duisburg legendär, der Mann kämpft bis zum Kotzen.
Irgendwie passt das Bild, welches hier in den Medien gezeichnet wird zu einem Gesamtkonzept, dem ich mich in einem weiteren Artikel noch näher widmen will - leider wird größtenteils das geschrieben was die Mehrheit der Leute lesen will, kritische Meinungen sind hier nicht gefragt und mitschwimmen verlangt natürlich weniger Aufwand.
Fällt mir auch in (vermeintlichen, selbsternannten?) "Qualitätszeitungen" immer wieder auf, zB: die SN beteiligt sich auch schon beim überall beliebten Boghossian-Bashing, der arme Junge kann im Moment leider nichts richtig machen ...
