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Tag 10 - On the road again

Wir stehen wieder frueh auf um den langen steilen Weg nach Sam Neua, natuerlich per Busreise, anzugehen. Die Provinzhauptstadt liegt im am wenigsten bereisten Gebiet in Laos und dort auf 1.200 m Hoehe. Entscheidend fuer dieses Reiseziel ist fuer uns neben der wunderschoenen Lage vor allem auch die Naehe zu Vietnam (unserem naechsten Ziel).
Vor der Abfahrt gibt es noch ein Fruehstueck am Busbahnhof - Sandwich mit Ei (wir sind natuerlich wieder so vorsichtig den Salat rauszugeben). Nach mehr als der Haelfte des Brotes entdeckt Tobias eine Ameise und pausiert mit dem Essen um sie zu entfernen. Auf einmal kommt noch eine weitere nach und wir muessen feststellen, dass sich lauter Ameisen im Brot befinden. Da ist der Appetit schlagartig weg und ein Schwedenbitter (pur) wird zum Ameisen killen nachgeschickt ... Zum Glueck ist das Brot von Elisabeth makellos und schmeckt gut.

Da geht es mit unserem Babybus los - zu unserer Verwunderung sind auch die beiden Neuseelaender von unserer Tour gestern mit an Bord, Matthew hatte sich waehrend der Tour gestern staendig uebergeben und ist auch heute noch kreidebleich, aber anscheinend ein zaeher Bursche. In unserem Bus scheppert waehrend der Fahrt alles laut, es scheint so wie wenn nur der Hupe und der Radio problemlos funktionieren wuerden. Am Anfang bleiben wir etliche Male stehen und der Busfahrer schraubt am Bus herum - spaeter kauft er sogar ein flexaehnliches Werkzeug.
Wir kommen trotzdem ganz gut voran und uns wird bald bewusst warum hier die Hupe funktionieren MUSS: Die Strasse ist nur mehr einspurig und vor jeder Kurve wird ordentlich gehupt um alle Hindernisse aus dem Weg zu raeumen. Ein paar Mal muessen auch wir ein Ausweichmanoever starten, aber die Fahrt verlaeuft recht angenehm.
Tobias muss nach ein paar Stunden zu seinem Entsetzen feststellen, dass nach dem letzten Mal Aufladen des mp3-Players im Internetcafe irgendwas schiefgelaufen ist, der Player behauptet er habe keine Songs drauf und so muss die knapp 9-stuendige Fahrt ohne Musik durchgehalten werden (ohne stimmt nicht ganz, im Hintergrund laeuft immer wieder Thai-Pop, nachdem sind die Leute hier ganz verrueckt). Dafuer sind die Unterhaltungen mit den Neuseelaendern sehr nett und die Landschaft ist sowieso wunderschoen. Bei der Fahrt durch die Berge kommen wir uns vor wie wenn wir auch in der Zeit zurueck reisen wuerden - hier lebt fast niemand und wenn dann total rustikal, die Holzbaracken sind auf Stelzen direkt an den Abgrund gebaut. Alte Menschen sieht man gar keine, dafuer Kinder, welche zum Teil nur mit einem alten T-shirt bekleidet am Strassenrand stehen.
Witzig finden wir, dass sich auch heute der Busfahrer was dazu verdient mit den verschiedensten Warentransporten die dann irgendwo auf der Strecke von Jemanden abgeholt werden.

Impressionen der Fahrt:





Es gibt einen Eintrag im Reisefuehrer, der das Busfahren in Laos sehr treffend beschreibt:
Im Bus
Die Busse in Laos entsprechen nicht unbedingt dem, was wir darunter verstehen. Deswegen hier eine kleine Einfuehrung fuer Anfaenger: Mit ziemlicher Sicherheit ist man laenger unterwegs als die angekuendigte Zeit. Die Fahrt selbst haengt davon ab, wie viel Glueck man an einem bestimmten Tag hat. Sie kann sehr angenehm sein, falls man sich in einem aelteren, aber relativ modernen Bus mit ungefaehr 60 km/h fortbewegt, zwei Plaetze fuer sich alleine hat und es kein Karaoke gibt. Sie kann aber auch ganz anders sein ...
Moeglicherweise ist der Bus ein Relikt aus grauer Vorzeit, in dem sich die eigentlich flache Strasse wie eine mit Schlagloechern uebersaehte Piste anfuehlt. Bei unseren Recherchen fuer dieses Buch hatten wir mehrmals platte Reifen, fuhren mit einem Bus ohne Fensterscheiben durch einen Sturm und erlebten, dass ein Fahrer an der Route 13 hielt und mehr als hundert 50-Kilogramm-Saecke Reis von der oertlichen Muehle auflud (alle mit der Bezeichung "Produkt aus Thailand"), die er im Gang, unter den Sitzen und ueberall wo sie sonst noch hinpassten, verstaute. Komischerweise schien der Bus danach besser zu fahren. Die Musik kann ebenso laut wie schlecht sein, eventuell teilt man das Fahrzeug auch mit einer halben Viehherde. Oder es geht was kaputt. Wie wir auf einer einsamen Strasse in der Provinz Phonsaly herausfanden, koennen phantasievolle - und nutzlose - Loesungsversuche darin bestehen, dass man ein Kondom in einen Motor einbaut.
Unser Rat ist, moeglichst selten auf die Uhr zu schauen und es einfach hinzunehmen. Solche Fahrten sind tatsaechlich lustiger, als sie sich anhoeren. Sind sind unvermeidbare gesellige Ereignisse und geben viel bessere Geschichten ab als die ereignislosen Stunden in einem VIP-Bus, wo das einzige Huhn, das man zu sehen bekommt, schon gegrillt worden ist.

Aus Lonely Planet Laos, Deutsche Ausgabe

Nach 9 Stunden sind wir am Ziel, Sam Neua liegt in einem wunderschoenen Tal mit saftigen Huegeln. Waehrend der Fahrt wundern wir uns wiedermal wir sehr die Laoten ans ewig lange Busfahren gewoehnt sind, es sind immer Klein- und Kleinstkinder dabei und die geben keinen Mucks von sich, sondern schauen zum Fenster raus oder schlafen, das genuegt ihnen anscheinend zur Unterhaltung. Diesesmal faehrt sogar ein Huhn im Plastiksackerl mit und laesst das alles ohne zu murren mit sich ergehen - Elisabeth vermutet spaeter, dass sie hypnotisiert war (anscheinend klappt das mit Hennen).
In Sam Neua gibt es wirklich fast keinen Tourismus, Guesthoueses sind Mangelware. Die Einheimischen beobachten uns fasziniert und die Kinder winken uns hinterher. Ausserdem gibt es keinen Geldautomaten um etwas abzuheben und wir finden nur ein Restaurant mit einer (teilweise) englischsprachigen Speisekarte. Um 19:00 ist hier alles ausgestorben, also gehen wir auch frueh zu Bett und widmen uns noch unseren Buechern (Elisabeth - Stieg Larsson: Verblendung, Tobias - Ken Follett: Pfeiler der Macht)

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Kommentare (1)

erwin:

Hallo, ihr Lieben!
Mir kommt bei euren Schilderungen wirklich sehr oft ein Lächerln (auch laut - geht ja im einsamen Büro) aus. Das hört sich (von Salzburg aus) sehr amüsant an und ich bin überzeugt ihr seid ja inzwischen die Gelassenheit pur! Weiterhin alle, alles Gute und Elisabeth: wie ist der Roman (habe ich auf meiner Liste von Büchern, die ich in nächster zeit lesen will, ziemlich weit oben. Ich werds mir also noch nicht kaufen - vielleicht von dir ausborgen).
lg
Erwin (an der Uni)

Über diese Seite

Diese Seite enthält einen einzelnen am 25.10.09 5:10 erschienenen Blogeintrag.

Zuvor erschien in diesem Blog Tag 9 - Ebene der Tonkruege.

Danach erschien Tag 11 - Die Hoehlen des Pathet Lao.

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