Nach einem erholsamen Tag haben wir wieder genug Energie gesammelt um uns heute auf eine grosse Tour mit dem Tuk-Tuk rund um Battambang zu stuerzen. Unseren Tuk-Tuk Fahrer David kennen wir schon von unserer Ankunft in Battambang und das zu ihm gefasste Vertrauen steigert unsere Vorfreude auf einen spannenden Tag. Mit seinem blitze blanken Tuk-Tuk, mit gepolsterten Holzbaenken und Dekoreinlagen, duesen wir los und David weiss genau wann er seinen Helm aufsetzen muss, damit er mit der Polizei keine Schwierigkeiten bekommt... Hier in Kambodscha tragen die Moped-FAHRER Helm (!)

Luxus Tuk-Tuk
Den ersten Stop legen wir bei einem Mahnmal ein (Naga aus zerstoerten Gewehren) welches an die schreckliche Zeit der Roten Khmer erinnert. In diesem Zusammenhang erzaehlt uns David, der uebrigens sehr gut Englisch spricht, dass er selbst in einem Fluechtlingslager an der Grenze zu Thailand geboren wurde und dort die ersten 12 Jahre seines Lebens verbrachte. Er erzaehlt uns von seinem damaligen Leben. Oft begleitete er seine Mutter in den Dschungel um Pilze und Fruechte zu sammeln, sein Vater versuchte mit Schmuggeln den Lebensunterhalt im Fluechtlingslager aufzubessern. David erzaehlt uns, dass das Schmuggeln mit allerhand Gefahren verbunden war, da auf kambodschanischer Seite Diebe und auf thailaendischer Seite das Militaer unterwegs war. Die allgegenwaertige Gefahr von Minen in diesem Land, besonders im Bereich zur thailaendischen Grenze, nicht zu vergessen. So wurde seinem Schwiegervater beim Fischen der rechte Arm weggerissen als er den Fisch beim Schwanz packen wollte. Unser Fahrer David meint, er sei "very lucky", dass er von den Landminen unversehrt geblieben ist.
Nach kurzer Fahrt bleiben wir erneut stehen und bewundern eine ungewoehnliche, riesige, schwarze Statue mit grossen weissen Augen und einem schwarzen Stock in der Hand. Menschen aus der Umgebung beten davor und bringen Gaben dar. Unser kluger Fahrer David erklaert uns, dass dies der Stadt-Patron ist und von den Einwohnern als heilig verehrt wird. Ein Mythos rankt sich natuerlich um die Gestalt und Zauberkraefte hatte (hat?) die Figur natuerlich auch. David erzaehlt, dass er selbst bei dieser Figur um das Geld fuer sein Tuk-Tuk gebetet habe, nachdem die Bank ihn abgewiesen hatte. Und siehe da, David ist nun stolzer Besitzer eines eigenen Tuk-Tuks, auch wenn er den Kredit fuer die 1.600 US Dollar noch in den naechsten 2 Jahren abzahlen muss. Der 29jaehrige aber ist uebergluecklich und verdankt dies dem Heiligen, wie er sagt.
Bei einigen Hausschreinen in Battambang haben wir mittlerweile schon eine Miniatur dieser wundervollen Statue entdeckt.
Die Fahrt durch eine wunderschoene Landschaft auf zum Teil roten Sandpisten vergeht wie im Flug und schon sind wir bei dem angepriesenen Bambootrain (Bambuszug) angekommen. Sogleich werden wir fuer 5 US Dollar von der Touristpolice "verladen" und auf einem ca. 2 x 3 Meter grossen Gefaehrt, aehnlich wie ein "Bambusfloss" mit Motor und 2 rollenden Achsen finden wir uns wieder. Mit an Board eine Deutsche (die nur Englisch sprechen will ??) und einer Suedafrikanerin die diesen Ort barfuss verlassen wird.

Ab geht die Fahrt!
Dieser Bambuszug faehrt auf den Schienen der kambodschanischen Bahn und wird auch von den Anrainern fuer ihren "privaten" Transport von Waren etc. verwendet. Wenn ein Zug kommt wird der fahrbare Untersatz abgeladen, in seine 3 Teile zerlegt und anschliessend wieder zusammengebaut.

Manoever bei Gegenverkehr
Heute ist dieser Bambootrain hauptsaechlich eine Touristenattraktion. Wir geniessen die Fahrt auf dem Bambootrain sehr - ein gutes Gefuehl von kindlichen Abenteuerphantasien und jugendlichem Leichtsinn macht sich in uns breit. Bei der rasanten Fahrt verliert die Suedafrikanerin sogar ihren Schuh. Wir fahren ca. 10 km und landen bei einer alten Ziegelfabrik bei der sich einige Leute angesiedelt haben. Sofort laufen Kinder herbei und geben uns Blumen und einen selbstgebastelten Grashuepfer. Fuer den Weg durch das Dorf leiht eine einheimische Frau der Suedafrikanerin ihren rechten Schlapfen, so muss diese nicht mit nacktem Fuss durch den Dreck. Eine sehr freundliche Geste, die sehr bezeichnend fuer die Leute dieses Landes ist.

Alter Lastwagen bei Ziegelfabrik"brum brum"
Den naechsten Stop auf unserem Tagesausflug machen wir in Phnom Sampeau. Im Dorf angekommen, geht es mit 2 Mopedtaxis auf einen kleinen Berg rauf. Die Fahrt mit dem Moped erspart uns einen 2 h langen Fussmarsch und beschert uns einen Englisch sprechenden Guide der uebrigens eines Tages Englisch Lehrer werden wil und dafuer noch 5 Jahre lernen muss. Das Geld dafuer (20 US Dollar pro Monat) verdient er sich mit den Touristen.
Dort oben erwartet uns ein in Kalksteinfelsen gemeisselter Buddha Kopf (fuer den Rest fehlt das Geld), ein Tempel, eine Buddha Staute, ein Aussichtsplateau und der sogenannte Killing Cave. Unser Guide erzaehlt uns so einiges ueber die junge, so blutige Geschiche dieses Landes. So wurde der Tempel waehrend der Zeit der Roten Khmer als Gefaengnis verwendet. Heute wird er von einem Maler neu mit Bildern aus Buddhas Leben ausgemalt. Der Weg fuehrt uns weiter zu dem Killing Cave, eine Naturhoehle, in der ca. 10.000 Menschen von den Roten Khmer grauenvoll ermordet wurden. Heute noch befinden sich menschliche Knochen in Glasvitrinen um die Schrecken dieses Ortes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Unser Guide erzahelt, dass in den Jahren 1975 - 1979 unter den Roten Khmer bzw. unter Pol Pot ca. 3.000.000 Menschen an Unterernaehrung oder Krankheit starben bzw. brutal ermordet wurden.
Wir sind emotional betroffen von der Stimmung in der Hoehle, den Geschichten unseres Guides und der grausamen Geschichte des Landes.
Bei den Moenchen bzw. bei der Nonne die auf diesem Berg leben geben wir ein wenig Geld um einen kleinen Beitrag zu leisten hier die alten Buddhastatuen zu sanieren um so neues Leben diesem Platz einzuhauchen.

Baender fuer eine Spende in der Tempelanlage
Nach dem Besuch der Hoehle geht es weiter auf das Aussichtsplateau, welches einen wunderbaren Ausblick auf die Weite des Landes bietet. Im Schatten eines kleinen Bambusdaches rasten wir ein wenig und versuchen der Mittagshitze zu entkommen.

Ausblick vom Kalksteinfelsen
Unser Guide bringt uns zu den naechsten Sehenswuerdigkeiten und sagt uns vor dem Abstieg noch, wir sollten ihm jetzt gleich das Geld geben, falls wir ihm Trinkgeld geben wollen. Andernfalls muesste er einen Teil des Geldes wieder abgeben. Wir sind immer noch in Geberlaune und stecken ihm 8 US Dollar zu.

Phnom Sampeau
Zurueck bei unserem Tuk-Tuk finden wir David bei Mittagshitze in einer Haengematte doesend. Wir nutzen auch die Pause und machen es uns gemuetlich.
Nach dem Mittagessen geht es weiter nach Phnom Banan. Dort befindet sich auf einem Huegel eine alte Tempelanlage. Um dort rauf zu kommen gibt's diesmal keine Mopeds, sondern 358 Steinstufen zu bewaeltigen die bei der Hitze eine echte Herausforderung sind, um das mal vorsichtig zu formulieren ... David bleibt im Schatten und rastet sich im Tuk-Tuk aus.

358 Steinstufen
Wir starten los und nach den ersten 3 Stufen, wir schwitzen jetzt schon, kommt ein kleines Maedchen von ca. 8 Jahren zu mir her und faechert mir mit einem kleinen Handfaecher Luft zu. Wir diskutieren kurz, was die Kleine will und ich wende mich ihr zu. Da sagt sie "I walk up and and down with you, you give me money, I go to school every day." Wir geben ihr Geld und sagen ihr, sie soll unten bleiben und every day zur Schule gehen.
Oben angekommen geniessen wir den schoenen Ausblick auf die Region und suchen uns ein Platzerl im Schatten um die Tempelruinen zu bewundern. Dabei beobachen wir auch einen alten Mann, der um die Tempel herum fuer Sauberkeit sorgt und mit einem Besen Laub kehrt.
Die Fahrt mit unserem Guide David entpuppt sich zu einem tollen Erlebnis, nicht nur weil er uns mit seinen unzaehligen Geschichten und Scherzen unterhaelt, sonder auch weil er jede Gelegenheit nuetzt um uns Flora und Fauna und die Leute diess Landes naeher zu bringen. So bleiben wir waehrend der Fahrt einige Male stehen um uns einen Mangobaum anzuschauen, Erdnuss-Straeucher (die wirklich unter der Erde wachsen, wer haette das gedacht ...) zu betrachten oder um Chilli-Straecher (die wir aber schon von Produktionsstaetten aus Bergheim kennen ...) von der Naehe sehen zu koennen. Wir bleiben auch stehen um Fledermaeuse, die tagsueber im Baum haengen, zu bewundern. Zuerst glaubten wir, es waere ein Scherz unseres Fahrers, dass die Fledermaeuse gross wie Huehner sein sollen. Als er die Tiere dann aber mit Wurfgeschossen aus ihrem Schlaf vom Baum aufscheucht staunen wir nicht schlecht, welch riesigen Fledermaeuse ueber unsere Koepfe hinweg fliegen. Die Einheimischen nennen diese Fledermaese uebrigens fruit-bats weil die Tiere jagt auf ihre Fruechte machen.
Einmal halten wir am Strassenrand bei einer Familie die Reiswein selber herstellt. Aus einem Kanister wird uns ein Becher Reiswein gereicht - dieser schmeckt aber eher wie Benzin. Bei der Familie werden auch einige Schweine gehalten und es wird uns erzaehlt, dass die den meisten Tag rauschig sind, weil sie die Ueberreste der Reisweinproduktion als Futter bekommen.
Einen Zwischenstopp gibt es auch bei Frauen, die am Strassenrand geschickt Bohnen trocknen, schaelen und von der Schale trennen.

Die gute Arbeitskraft wird nicht mehr losgelassen ... ;)
Als letzten Stop halten wir noch fuer eine Weinverkostung (und Brandyverkostung, den machen sie hier auch) beim einzigen Weingut in Kambodscha. Der Weinanbau hier ist ein "Ueberbleibstel" aus der Kolonialzeit der Franzosen. Wer wissen will, wie der Wein schmeckt kommt am besten selbst vorbei und probiert von dem viel gepriesenen, hochgelobten Troepfchen. :-)

Prost!
Nach 10 Stunden Tuk-Tuk Tour kommen wir schliesslich wieder gut bei unserem Guesthouse an. Morgen gibt es wieder einen Tag "Pause von der Sause" bevor es dann weiter nach Siem Reap weiter geht.