Nachdem wir einen langen Reisetag vor uns haben checken wir frueh aus unserem Guesthouse aus und begeben uns vollbepackt zu Fuss Richtung Bus nach Bangkok (wir muessen dorthin zurueck um weiter zur Grenze zu kommen). Zu Fuss wieder ... ja, wurde uns so "angeschafft" als wir unsere Guesthausbesitzerin bitten uns ein TukTuk zu bestellen - "save money, TukTuk very expensive, walk five minutes".
Wir brauchen natuerlich 10min und finden auch keine Bushaltestelle. Als es dann noch zu regnen beginnt stellen wir uns mal unter um zu beratschlagen. Dabei kommt uns ein Weisser zu Hilfe der anscheinend hier lebt (er spricht sehr gut Thai). Aus seinen 10 verschiedenen Vorschlaegen fuer die Reise nach Kambodscha, die alle in einem Riesenwortschwall auf uns herein prasseln, waehlen wir den empfohlenen aus: Mini Van - Bangkok Future Park - Mini Van zur Grenze. Er und die herbeigeeilten Thais sprechen uns dann noch Dutzende Male den Namen der Grenzstadt vor (damit ihn die Thais auch verstehen koennen, man darf dabei nicht von Standard-Englisch ausgehen), damit wir in Bangkok das richtige Ticket kaufen koennen und schon gehts los.
Wir rasen nach Bangkok in 40min und landen mitten im Trubel zwischen lauter Thais, ich spreche nur das eine Wort - "Alanja" (geschrieben im Reisefuehrer Aranyaprathet). Nachdem ich zweimal zu Phattaya den Kopf schuettle (dort wollen wir auf keinen Fall hin) reagiert eine Thai zu meinem magischen Wort mit Erkennen und verkauft uns ein Ticket. Kurz darauf werden wir (wir haben uns auch noch mit Fruechten fuer die Fahrt eingedeckt) in einen MiniVan verladen und los gehts - wir koennen nur hoffen und uns darauf verlassen dass wir richtig sind, Englisch spricht hier keiner ...
Nach einem kurzen Zwischenstopp fuer Toilettenpause und Mittagessen (das alte Paerchen bei dem wir einkaufen freut sich sichtlich darueber und die Nudelsupper ist sehr lecker) erreichen wir nach 5 Stunden die Grenze - hurra, die Magie hat funktioniert ;)
Fuer uns wirkt die Grenze nur wie ein riesiger Marktplatz, also marschieren wir mal los. Gewarnt durch unseren Reisefueher und viele Berichte im Internet (hier gibt es eine eigene Webseite darueber) wissen wir, dass hier viele Arten von Gaunereien auf uns warten, auf kambodschanischer Seite sogar staatlich gedeckt. Kurz nach dem Weggehen bekommen wir gleich mal Begleitung von drei Thais, die uns anleiten - "go here, go here" und dann "buy visa here" - jaja, haettet ihr wohl gerne, aber darauf sind wir vorbeitet, wir haben unser Visum bereits im Vorhinein im Internet gekauft und das erklaeren wir ihm dann auch. Enttaeuscht fragt er nochmal nach und zieht dann ab, allerdigns erklaert er uns zuvor noch den Weg zur Grenze. Richtung Grenze faellt uns auf, dass die Thais hier bauen wie die Wilden, alles wirkt sehr neu und soeben wird auch ein Tempel errichtet - ist das eine Reaktion auf den Grenzkonflikt zwischen den beiden Laendern?
Die Ausreise gestaltet sich einfach wie immer und kaum sind wir aus Thailand draussen krallt sich ein offiziell aussehender Kambodschaner uns beide potentielle Geldbringer. Er geleitet uns zur Einreise, wo wir die Formulare ausfuellen (provokanterweise befindet sich auf dem Formular eine Abbildung des umstrittenen Tempels Preah Vihear und nicht etwa das viel beruehmtere Angkor Wat). Nach den Formalitaeten erwartet er uns (natuerlich) schon wieder und wir diskutieren kurz wie wir diesem offiziellen Abzocker Monopol, bei dem fuer Touristen systematisch ein x-faches verlangt wird, entkommen koennen. Doch irgendwo haben wir im Moment nicht die Energie und Bereitschaft aufzumucken und sind gewillt um Muehen und Streitereien zu vermeiden mehr zu bezahlen ... So kommen wir zum Free Shuttle Service (kostet dann lt. Berichten anscheinend einen Dollar) wo auch schon andere Touristen in der Falle haengen und wir schwitzen und warten. Als ich den "Schlepper" auf den Preis anrede macht er einen entscheidenden Fehler - er behauptet den Preis nicht zu kennen und meint kurz darauf, dass heute kein Bus mehr komme, wir muessten ein Taxi nehmen. Seine Gier wird ihm zum Verhaengnis und weckt bei uns den Kampfgeist - sofort kontere ich "ok, then we stay here over night", was ihn voellig entwaffnet. Er murmelt noch etwas von "hotel full", aber wir lassen uns nun nicht mehr bremsen und marschieren einfach los.
Als wir diesen ersten Ring durchbrochen haben stuerzen sich mindestens 15 weitere Schlepper (diesesmal keine offiziellen) auf uns. Wir probieren sie abzuschuetteln und gehen einfach weiter, doch natuerlich folgen sie uns. Also beschliessen wir nach 300m ein Lokal aufzusuchen und bestellen uns das einzige was wir kennen - Pepsi. Als wir uns hinsetzen, unsere Ruecksaecke ablegen und zu trinken ist ploetzlich Ruhe ... wir schnaufen mal tief durch und recherchieren wie es weiter gehen soll. Anscheinend ist es am besten man probiert auf der Hauptstrasse Sammeltaxis aufzuhalten, aber dafuer muessen wir zuerst mal ein ziemliches Stueck marschieren. Waehrend unseres Gespraeches hat sich ein nett laechelnder Kambodschaner an unseren Tisch gesetzt - als wir ins Gespraech kommen lobt er uns gleich mal dafuer, dass wir uns nicht reinlegen lassen haben und so smalltalken wir eine Zeitlang ziemlich angenehm. Als ich ihn nach seinem Job frage bekennt er Farbe und erzaehlt uns er vermittle Fahrten von hier mit dem Taxi zu einem fairen Preis - unsere Verwunderung haelt sich in Grenzen. Also kaufen wir zuerst mal einem vorbeikommenden Haendler kambodschanische Bauernkrapfen (Elisabeth bezeichnet sie so) ab und bieten auch ihm einen an. 10min spaeter bietet er uns zum ersten Mal einen Preis an und wir stuerzen uns in den Verhandlungen: Am Ende kommen 20 Euro fuer die 2,5 stuendige Taxifahrt heraus, zahlbar bei Ankunft und wir werden beim gewuenschten Guesthouse abgesetzt (da gibt es naemlich beim offiziellen auch noch einige Tricks ...). Wir reden auf ihn ein, ob wir ihm vertrauen koennen und besiegeln das Ergebnis dann mit Handschlag.
Vor der Abfahrt suche ich in meiner Hosentasche nach den letzten Baht und finde 40 davon, der Kellner sieht das und praktischerweise kosten unsere Getraenke dann genau soviel :) Wir steigen in das private Taxi ein und vor der Abfahrt ergibt sich ausserhalb ein lautstarker Streit, der in einem Handgemenge ausartet. Auf unsere Nachfrage hin, erklaert uns unser neuer Freund, dass man am Strassenrand als Taxi Standgebuehr an die Polizei zahlen muesse und ueber die Hoehe und den Zeitpunkt gab es Divergenzen ...
Die Fahrt gestaltet sich sehr angenehm, der Taxifahrer faehrt fuer asiatische Verhaeltnisse richtig gesittet. Wir beobachten schmunzelnd, dass er vor dem Ueberholen die AC abdreht, wohl um mehr Power zu haben.
Ploetzlich taucht vor uns eine riesige Staubwolke auf und wir entdecken einen vor uns fahrenden Lastwagen, der von der Strasse purzelt und sich ueberschlagt - natuerlich voellig ueberladen wie alles hier! Unser Fahrer bremst ab und faehrt an den Strassenrand "Oh my god" sagt er, die ersten und letzten englischen Woerter die wir von ihm hoeren. Wir denken er geht nach vorne um zu helfen, aber nein, er geht ein paar Schritte in das Feld und macht sein Geschaeftchen ... unsere Verwunderung ist gross. Danach steigt er wieder ein und die Fahrt geht weiter, beim Vorbeifahren empfinden wir den Unfall als glimpflich verlaufen, es wirkt so wie wenn alle aus dem umgestuerzten LKW raus waehren, aber wirklich beurteilen koennen wir die Situation in der Schnelle nicht.
Nach 2,5 Stunden Fahrt durch eine flache, sehr laendliche Gegend erreichen wir unser Ziel Battambang ohne weitere Zwischenfaelle. Hier wartet bereits ein TukTuk Fahrer auf uns und erzaehlt uns, dass er ein Freund des Taxifahrer sei und uns zur Unterkunft bringe, weil der Taxifahrer den Weg nicht weiss. Alle Alarmsignale aktivieren sich bei uns und wir verweigern die Fahrt mit dem TukTuk, zu guter Letzt wollen wir uns nicht mehr reinlegen lassen (spaeter merken wir etwas verschaemt, dass wir in dieser Situation zu misstrauisch waren ...). So faehrt der TukTuk Fahrer vor um den Taxifahrer den Weg zu zeigen und wir kommen um knapp vor 6 Uhr in unserer Unterkunft an. Erleichtert bezahlen wir den Taxifahrer und geben ihm noch Trinkgeld fuer ihn und den Vermittler im Grenzort. Wir waehlen uns ein Zimmer im vierten Stock mit grossem Fenster aus, da wir sparen wollen nehmen wir ein Zimmer ohne AC - kostet pro Nacht 5 Dollar weniger. Dafuer arbeitet der Fan supergut! :)
Zu unseren ersten Eindruecken von Kambodscha und vor allem dieser Stadt und den Menschen hier gibt es dann im naechsten Eintrag mehr, aber jetzt zum Abschluss noch das Wichtigste:
Nachdem heute Sonntag ist und in Oesterreich damit Muttertag wollen wir an dieser Stelle ein Hoch auf unsere Muetter verkuenden - danke, dass ihr immer fuer uns sooo da wart und seit :)
Kommentare (3)
Hallo Ihr zwei Weltenbummler,
jetzt hab ich nach ein paar tagen pause wieder alles nachgelesen und bin wieder up to date....
Eure Schilderungen sind wie immer sehr gut nachfühlbar und wenn ich unsere Ausflüge (vor allem den mit georgie) denke, dann seid ihr wirklich um einiges gewitzter als wir....
wünsch euch noch viel spass und Elisabeth: nicht so viel essen, dass der tobi nichts abkriegt ;-)
lg
Von ace | 9.05.11 13:08
Geschrieben am 9.05.11 13:08
ich hab schon so darauf gewartet, zu erfahren, wie es euch so erging - als Grenzgänger-(hab ja von Freunden auch schon so einiges darüber gehört); das habt ihr Zwei ja super gemeistert,............
glg sabine
Von sabine | 9.05.11 14:20
Geschrieben am 9.05.11 14:20
@tobias: rise against kommen zum chiemsee rocks!
Von JudL | 9.05.11 21:37
Geschrieben am 9.05.11 21:37