Tag 0 oder Auf geht’s nach Ungarn!
Die Entscheidung war schon eine Zeit lang vorher gefallen – meine Familie würde Donnerstag mittags mit dem Auto vorfahren und ich dann am Abend (nach getaner Arbeit) mit dem Zug nachkommen. Also noch schnell ein ÖBB-Vorteilsticket organisiert und für Wien nach Budapest Sparschiene um EUR 19 reserviert. Die erste positive Überraschung bei meiner Zug-Reise: der Zug von Salzburg nach Wien benötigt nur ein bisschen mehr als 2h30min und ist sehr komfortabel, da braucht man nicht mehr mit dem Auto nach Wien zu fahren, wirklich starkes Angebot der ÖBB.
In Wien dann kurz umsteigen und auf nach Budapest in einem ziemlich leeren, und nach dem EC von Salzburg nach Wien auch irgendwie steinzeitlichen, Zug. Wer, so wie ich, glaubt es gibt eigentlich keine Grenzkontrollen täuscht sich sehr – auf der Fahrt wurde ich 2x kontrolliert (jeweils von der österreichischen bzw. ungarischen Polizei) und mein abgelaufener Pass ziemlich genau unter die Lupe genommen. Erheiterung löste der ungarische Schaffner aus, der das Ticket durch irgendwelche Kugelschreiber Kritzeleien entwertete, hab ich so auch noch nie gesehen!
Der Weg nach Budapest war geprägt von einem leeren Abteil mit gleißendem Licht (das man nicht abschalten konnte) weswegen an Schlafen auch nicht wirklich zu denken war, also vergnügte ich mir die Zeit mit „Foo Fighters Skin and Bones“, „In Flames Reroute to Remain“ und „In Extremo Mein Rasend Herz“ sowie einigen Wochenendbeilagen der SN, die sich schon über längere Zeit angesammelt hatten. So verlief alles sehr glatt bis auf ... doch halt, da muss ich kurz ausholen um den richtigen Background zu bieten: Da ich einfach lieber auf der sicheren Seite bin habe ich im Folder für die ÖBB-Anschlusszüge nachgesehen, ob mein Zug eh nicht öfter als einmal in Budapest stehenbleibt (nicht, dass ich am falschen Bahnhof bin und meine Familie ganz woanders) und auch rechtzeitig aussteige (was auch der Fall sein musste, den laut Plan gab es ca. 1,5h vor Budapest die letzte Haltestelle. Nach gut – dann kann das ja kein Problem sein und wie geplant stieg ich in Budapest aus (ca. 5min vor fahrplanmäßiger Ankunft, aber das war ja nicht so wirklich unrealistisch) und wunderte mich schon kurz wieso so wenig Leute aus dem Zug ausstiegen, aber er war ja wie schon gesagt eher leer. Ich marschierte an den Gleisen entlang zu einer Unterführung und dann unterirdisch Richtung Ausgang bzw. Haupthalle. Da kamen mir schon sehr viele düstere Gestalten unter die dort am Boden lagen und schliefen (na gut es war auch schon fast 23 Uhr) und der Bahnhof kam mir schon etwas klein vor bzw. es gab keine wirkliche Haupthalle ... als ich dann vorm Bahnhof draußen war gab es zumindestens noch menschliches Leben in Form von Taxis und Bussen und irgendwo stand auch Budapest – neben irgendwelchen komischen Namen, also konnte ich nicht so falsch sein und die Zeit passte ja auch halbwegs.
Nur von meiner Familie keine Spur – also zuerst mal warten (obwohl mein Vater ja ein sehr pünktlicher Mensch ist bei solchen Anlässen, aber in einer fremden Stadt in der Nacht kann man sich schon etwas verspäten). Nach gut zehn Minuten warten wurde ich doch ungeduldig, es war ja auch sehr kalt, und beschloss meine Leute anzurufen. Gottseidank hob Jakob auch gleich beim Telefon ab und sie waren natürlich an einem anderen Bahnhof, aber meinten der Bahnhof wo ich wohl bin dürfte kein Problem sein und ist auch gleich neben unserem Hotel.
Kurze Freude, dann hatte meine Mini-Odyssee wohl bald ein Ende! Als sie aber 20min später noch nicht aufgetaucht waren griff ich erneut zum Telefon (ich hatte mittlerweile herausgefunden, dass ich am Bahnhof Keltenföld war und kein Zug mehr zum nächsten Bahnhof ging). Sie suchten mich auch wieder, allerdings am Bahnhof Keleti, dem dritten großen Bahnhof in Budapest. Da musste ich feststellen (laut fluchend auf die ÖBB) am ersten (und kleinsten) Bahnhof in Budapest gelandet zu sein, der irgendwo am äußeren Rand der Stadt liegt. Meine Familie hat mittlerweile auch etwas der Mut verlassen und ich stand da ohne einheimische Währung und wusste nicht mal den Namen unseres Hotels, bis mein Vater (dessen Schneid ich da sehr bewundere) einen Taxler auftrieb der ihm widerwillig (ohne damit was zu verdienen) den Weg zu „meinem“ Bahnhof beschrieb.
Alles hatte die Sucherei und Quer durch die Stadt Fahrerei (für die 3 tapferen Männer Papa, HPK, Jakob) und Warterei (für mich) nach fast einer Stunde endlich ein Ende und ich stieg erleichtert in den plötzlich auftauchenden Polo mit Braunauer Kennzeichen ein. Ende gut, alles gut aber was lernen wir daraus: „Trust no OeBB“ (Frei nach Fox Mulder)

Blick aus unserem Hotelzimmer bei Nacht, ©'07 by Tobias
Im Hotel angekommen bewunderte ich noch kurz unser großes Zimmer (looks like Junior Suite) und auch das Hotel selbst machte einen gepflegten Eindruck, nur die Hauptverkehrsroute direkt neben unserem Zimmer + die undichten Fenster ließen mich in den folgenden Tagen öfters nachsehen ob nicht das Fenster offen sei. Nach Begrüßung der restlichen Sporer'schen Urlaubstruppe (Mama + Judith) gingen wir Jungies unterstützt durch Papi noch in die Hotellloby um einen Begrüßungsmartini zu genießen und den folgenden Tag zu planen. Um kurz nach 01:30 fiel ich dann – doch ein bisschen erschöpft – ins Bett, wo Jakob nach 1min tief schlief und auch dementsprechend laut schnarchte ...









