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Budapest Februar 2007 Archive

24.02.07

Tag 0 oder Auf geht’s nach Ungarn!

Die Entscheidung war schon eine Zeit lang vorher gefallen – meine Familie würde Donnerstag mittags mit dem Auto vorfahren und ich dann am Abend (nach getaner Arbeit) mit dem Zug nachkommen. Also noch schnell ein ÖBB-Vorteilsticket organisiert und für Wien nach Budapest Sparschiene um EUR 19 reserviert. Die erste positive Überraschung bei meiner Zug-Reise: der Zug von Salzburg nach Wien benötigt nur ein bisschen mehr als 2h30min und ist sehr komfortabel, da braucht man nicht mehr mit dem Auto nach Wien zu fahren, wirklich starkes Angebot der ÖBB.

In Wien dann kurz umsteigen und auf nach Budapest in einem ziemlich leeren, und nach dem EC von Salzburg nach Wien auch irgendwie steinzeitlichen, Zug. Wer, so wie ich, glaubt es gibt eigentlich keine Grenzkontrollen täuscht sich sehr – auf der Fahrt wurde ich 2x kontrolliert (jeweils von der österreichischen bzw. ungarischen Polizei) und mein abgelaufener Pass ziemlich genau unter die Lupe genommen. Erheiterung löste der ungarische Schaffner aus, der das Ticket durch irgendwelche Kugelschreiber Kritzeleien entwertete, hab ich so auch noch nie gesehen!

Der Weg nach Budapest war geprägt von einem leeren Abteil mit gleißendem Licht (das man nicht abschalten konnte) weswegen an Schlafen auch nicht wirklich zu denken war, also vergnügte ich mir die Zeit mit „Foo Fighters Skin and Bones“, „In Flames Reroute to Remain“ und „In Extremo Mein Rasend Herz“ sowie einigen Wochenendbeilagen der SN, die sich schon über längere Zeit angesammelt hatten. So verlief alles sehr glatt bis auf ... doch halt, da muss ich kurz ausholen um den richtigen Background zu bieten: Da ich einfach lieber auf der sicheren Seite bin habe ich im Folder für die ÖBB-Anschlusszüge nachgesehen, ob mein Zug eh nicht öfter als einmal in Budapest stehenbleibt (nicht, dass ich am falschen Bahnhof bin und meine Familie ganz woanders) und auch rechtzeitig aussteige (was auch der Fall sein musste, den laut Plan gab es ca. 1,5h vor Budapest die letzte Haltestelle. Nach gut – dann kann das ja kein Problem sein und wie geplant stieg ich in Budapest aus (ca. 5min vor fahrplanmäßiger Ankunft, aber das war ja nicht so wirklich unrealistisch) und wunderte mich schon kurz wieso so wenig Leute aus dem Zug ausstiegen, aber er war ja wie schon gesagt eher leer. Ich marschierte an den Gleisen entlang zu einer Unterführung und dann unterirdisch Richtung Ausgang bzw. Haupthalle. Da kamen mir schon sehr viele düstere Gestalten unter die dort am Boden lagen und schliefen (na gut es war auch schon fast 23 Uhr) und der Bahnhof kam mir schon etwas klein vor bzw. es gab keine wirkliche Haupthalle ... als ich dann vorm Bahnhof draußen war gab es zumindestens noch menschliches Leben in Form von Taxis und Bussen und irgendwo stand auch Budapest – neben irgendwelchen komischen Namen, also konnte ich nicht so falsch sein und die Zeit passte ja auch halbwegs.

Nur von meiner Familie keine Spur – also zuerst mal warten (obwohl mein Vater ja ein sehr pünktlicher Mensch ist bei solchen Anlässen, aber in einer fremden Stadt in der Nacht kann man sich schon etwas verspäten). Nach gut zehn Minuten warten wurde ich doch ungeduldig, es war ja auch sehr kalt, und beschloss meine Leute anzurufen. Gottseidank hob Jakob auch gleich beim Telefon ab und sie waren natürlich an einem anderen Bahnhof, aber meinten der Bahnhof wo ich wohl bin dürfte kein Problem sein und ist auch gleich neben unserem Hotel.
Kurze Freude, dann hatte meine Mini-Odyssee wohl bald ein Ende! Als sie aber 20min später noch nicht aufgetaucht waren griff ich erneut zum Telefon (ich hatte mittlerweile herausgefunden, dass ich am Bahnhof Keltenföld war und kein Zug mehr zum nächsten Bahnhof ging). Sie suchten mich auch wieder, allerdings am Bahnhof Keleti, dem dritten großen Bahnhof in Budapest. Da musste ich feststellen (laut fluchend auf die ÖBB) am ersten (und kleinsten) Bahnhof in Budapest gelandet zu sein, der irgendwo am äußeren Rand der Stadt liegt. Meine Familie hat mittlerweile auch etwas der Mut verlassen und ich stand da ohne einheimische Währung und wusste nicht mal den Namen unseres Hotels, bis mein Vater (dessen Schneid ich da sehr bewundere) einen Taxler auftrieb der ihm widerwillig (ohne damit was zu verdienen) den Weg zu „meinem“ Bahnhof beschrieb.
Alles hatte die Sucherei und Quer durch die Stadt Fahrerei (für die 3 tapferen Männer Papa, HPK, Jakob) und Warterei (für mich) nach fast einer Stunde endlich ein Ende und ich stieg erleichtert in den plötzlich auftauchenden Polo mit Braunauer Kennzeichen ein. Ende gut, alles gut aber was lernen wir daraus: „Trust no OeBB“ (Frei nach Fox Mulder)

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Blick aus unserem Hotelzimmer bei Nacht, ©'07 by Tobias

Im Hotel angekommen bewunderte ich noch kurz unser großes Zimmer (looks like Junior Suite) und auch das Hotel selbst machte einen gepflegten Eindruck, nur die Hauptverkehrsroute direkt neben unserem Zimmer + die undichten Fenster ließen mich in den folgenden Tagen öfters nachsehen ob nicht das Fenster offen sei. Nach Begrüßung der restlichen Sporer'schen Urlaubstruppe (Mama + Judith) gingen wir Jungies unterstützt durch Papi noch in die Hotellloby um einen Begrüßungsmartini zu genießen und den folgenden Tag zu planen. Um kurz nach 01:30 fiel ich dann – doch ein bisschen erschöpft – ins Bett, wo Jakob nach 1min tief schlief und auch dementsprechend laut schnarchte ...

26.02.07

Tag 1 oder Bewegung, Kunst und Essen ist Trumpf

Erstes Erwachen in Budapest mit gemütlichem, spätem Frühstück im Hotel. Dabei ist mir aufgefallen, dass man als Österreicher einfach Luxus-verwöhnt ist – ein 4-Sterne Hotel in Österreich ist nicht gleichzusetzen mit einem in Budapest. Es gibt überhaupt nichts auszusetzen, aber in Österreich ist so ein Frühstück einfach Luxus pur (als bestes Beispiel sind da die Schinken- bzw. Wurstvariationen, die im Angebot sind, anzuführen).
Am Programm stand eine ausgedehnte Wanderung quer durch ein paar Prachtstraßen Budapests, die laut Reiseführer einen guten Einblick in die Bauwerke Budapests bieten. Als Highlight war die Van-Gogh Ausstellung im Museum der Bildenden Künste Budapests direkt auf dem Heldenplatz auserkoren.

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Sporer Großfamilie beim Spaziergang durch Budapest, ©'07 by Tobias

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Van Gogh Ausstellung Budapest, ©'07 by Tobias

Und dieses Highlight hielt was es versprochen hatte – extrem beeindruckende Bilder des Großmeisters (die sogar mich, der sich selbst eher als „Kunstbanause“ bezeichnet wirklich fesseln konnten), die hervorragend in Szene gesetzt waren. Beeindruckend auch die Sicherheitsvorkehrungen für die Ausstellung, man hatte nur ein Zeitfenster von 1h zur Verfügung um die Ausstellung zu betreten, musste nahezu alles abgeben und konnte den Ausstellungsraum nur durch eine Tür betreten die aus zwei gesicherten Glastüren bestand (mit Innenraum), welche nie gleichzeitig offen waren. Drinnen viel Finsternis im Saal und intensive Beleuchtung der Bilder, die dadurch noch besser zur Geltung kamen. Begleitet hat mich neben den fachkundigen Erklärungen meinen Eltern ein Audioguide, dessen Nutzen eher zweifelhaft war: Ich brauchte drei Versuche ihn in Gang zu setzen, wirklich funktioniert hat es erst dann als ich das erste Gerät, das immer nach wenigen Schritten Alarm schlug (Zitat Vermieterin der Guides: „zu nahe am Ausgang“ - hahe selten so gelacht, ich war nicht mal die Stiegen bis ins EG hochgekommen, da war der Ausgang noch wirklich weit weg) umgetauscht hatte und als er dann funktionierte war es doch zuviel Fachinformation für mich als Laie. Übrigens, Mami hat sich ein Bild der Ausstellung gewünscht zum 50igsten Geburtstag, das nenne ich echte Bescheidenheit – da wird mein Bausparer wohl nicht ganz ausreichen ;)

Nach einer Rast in einem originellen Café zum Neuauftanken der Energien beschlossen wir Geschlechtertrennung zu machen: Die Frauen gingen Shoppen und wir Männer setzten die Besichtigungstour zu Fuß fort. Diesmal war „Kirchen-Time“ - wir besichtigten zwei echte Prachtbauten: Die St. Stephans Basilika mit einem wirklich mystischen Innenraum, von außen waren Ähnlichkeiten zum Salzburger Dom wirklich nicht zu übersehen, und nach Einbruch der Dunkelheit auch die Große Synagoge, die tolle Beleuchtung war im Finsteren ein echter Hingucker. Leider durften wir aufgrund des angebrochenen Sabbats die Synagoge nur von außen bewundern, da die Sabbatfeier ein Betreten unmöglich machte.

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Innenraum der St. Stephans Basilika ©'07 by Tobias

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Der Salzburg Dom, nein doch die St. Stephans Basilika ;) ©'07 by Tobias

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Die Große Synagoge, stilvoll in Szene gesetzt ©'07 by Tobias

Nach geschafftem Zusammentreffen suchten wir das typische ungarische Lokal „Fatal“ auf. Ein echter Glücksgriff, deftige ungarische Küche, rustikal gelegen im Keller, mit großen hölzernen Tischen. Ein echtes Original war auch unser unfreundlicher Kellner: Finsterer Blick und Riesenbauch (in diesem Lokal wog kein Kellner unter 100 Kilo) – allerdings war das Essen umwerfend gut (fragt mal bei Mama nach ;) ) und auch nicht zu teuer, sodass wir am kommenden Tag erneut das gleiche Lokal aufgesucht haben. Zentral gelegen und mit Riesenportionen ist es ein Tipp für jeden erschöpften und/oder hungrigen Touristen.

Danach „rollten“ wir zurück ins Hotel wo wir nach ein paar Bummerl Karten spielen (latinisch Watten Oldies (Mama + Papa) vs. PCCP-Power (HPK + Ich)) erschöpft vom langen Wandern ins Bett sanken .

28.02.07

Tag 2 oder Kälte, Burg und Budapester Nachtleben

Am 2ten Tag beschlossen wir (gut erholt und ausgeschlafen) früher aufzubrechen um das markante Burgenviertel der Stadt (das auf einem Hügel über der Stadt thront) zu besichtigen. Auf dem Weg dorthin fuhren wir mit einer nostalgischen Straßenbahn, die der Donau entlang an bedeutenden Bauwerken vorbei fährt, um dann mit einer Zahnradbahn auf den Burgberg zu gelangen.

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Blick von der anderen Seite der Donau auf das Burgenviertel, ©'07 by Tobias

Der erste Eindruck des Burgenviertels war ein imposanter Überblick über die Stadt und ihre Bauwerken. Die nächsten Stunden standen unter dem Motto: "Historisches Wiedererbautes" - denn die Bauten des Burgenviertels wurden 2x (unter anderem auch im 2. Weltkrieg) komplett zerstört und von den Budapestern wieder auferbaut, alle ausgegrabenen und wiederhergestellten Teile der alten Burg und des Palastes wurden zur Restaurierung verwendet und bieten deswegen einen beeindruckenden Anblick.

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Blick vom Burgberg aus über Budapest, ©'07 by Tobias

Sofort fing uns der Flair des Viertels ein - stimmungsvolle Musik mit ungarischem Flair und Trubel in Form von Raubvögeln und zahlreichen Besuchern, die auch dem kalten böigen Wind trotzen. Judith und ich wagten, stimuliert von der schwungvollen Musik, gleich ein kleines Tänzchen - wer weiß wenn wir auch ein Gelddöschen aufgestellt hätten wären wir wahrscheinlich steinreich wieder nach Hause gekommen ;)

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Ein Tänzchen in Ehren ... ©'07 by Jakob

Doch jetzt war wieder Kultur angesagt und so marschierten wir im Burgenviertel herum um die Bauwerke zu betrachten. Sofort ins Auge fiel vor allem die sogenannte Fischerbastei und die Matthiaskirche, die wir dann, sowohl aus Interesse, als auch zum Wärmen, von innen besichtigten. Und das hatte sich wirklich ausgezahlt: die vielen, bunten Ziermalereien fallen sofort ins Auge - ich habe etwas Ähnliches noch nie in meinem Leben im Inneren einer katholischen Kirche gesehen.

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Kalt und trotzdem jede Minute der Betrachtung wert ©'07 by Tobias

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Die Matthiaskirche von Innen in ihrer ganzen Farbenvielfalt ©'07 by Tobias

Zwischendurch mussten wir uns, komplett durchgefroren, den höheren Mächten des Wetters beugen und eine Zeitlang mit heißen Getränken in einem Cafe zubringen. Diese Konditorei bot einige wirkliche Zuckerbäckermeisterwerke in Form von riesigen Marzipan- und Zuckergussskulpturen (Arbeitsdauer an einem solchen Werk bis zu 6. Monate) und auch gemütlich Sesseln in wohliger Wärme. Nachdem wir auf den Geschmack der Wärme gekommen waren beschlossen wir die Expedition des Burgenviertels aufzugeben und stattdessen ins Hotel zurückzukehren.

Doch das war uns der Wärme nicht genug und so brachen wir ins Budapester Rudas Bad (= ein türkisches Bad) auf. Dieses Bad bot uns allen das Eintauchen in eine andere Welt: Dunstige Nebelschwaden, intensiver Schwefelgeruch, schummrige Stimmung, Hitze und Lärm - und so verbrachten wir den Rest des Nachmittages bis Badeschluß dort - um dann ordentlich aufgewärmt wiedermal im "Fatal" Abend zu essen.

Nach dem Essen ab ins Hotel wo wir uns kurz ausrasteten um dann nahtlos nach ein bisschen "vorzuglühen" (mit Verwunderung über die ungarischen Preise: im Supermarkt um die Ecke 7 Bier + 2l Fanta + 2 Bacardi Breezer + 1,5 l Mineral + Chips + 2 Packerl Zigaretten um sensationelle 4100 HUF ~ 16 EUR eingekauft, davon kann man in Salzburg wirklich nur träumen) ins Alcatraz aufzubrechen.
In diesem Club gefiel es uns wirklich gut: Das Ambiente - dem bekannten Gefängnis nachempfunden inkl. Gitter + Telefonanlagen - war echt alternativ, zudem spielte eine gute Live-Band und die Cocktails waren günstig und lecker (Long Island Ice Tea!!). So blieb uns nichts anderes übrig ;) als bis um 04:00 Uhr dort abzuhängen, unsere letzten ungarischen Forint in hohe Prozente zu investieren und die BudapesterInnen beim herumturteln bzw. -schlafen zu beobachten. Die Cocktails leisteten gute Arbeit und so beschlossen wir für den Nachhauseweg ein Taxi zu nehmen, anstatt die kurze Strecke zu unserem Hotel zu gehen.

Am nächsten Tag aufgewacht - ohne Kater, also genau das richtige Level erreicht am Vortag, dafür mit großem Hunger, also ab zum letzten Frühstück im Hotel und danach hieß es für mich irgendwie die Zeit zu vertrödeln bis der Zug fuhr (meine Familie brach schon frühzeitig mit dem Auto auf), also leistete ich mir eine halbe Stunde Internet in der Hotel-Lobby, um dann direkt zum RICHTIGEN Bahnhof aufzubrechen um die Reise nach Hause anzutreten. Die Heimreise verlief problemlos - die Kontrollen waren wieder sehr genau (das scheint also die Regel zu sein) und in Wien musste ich mit Schmunzeln bemerken, dass ich aus meinem Zug aussteigen musste um ein Ticket von Wien nach Salzburg zu kaufen, nur um dann wieder in den gleichen einzusteigen und weiterzufahren, allerdings auf einem deutlich schlechterem Sitzplatz ... tja, manchmal sollte man seine Paranoia ablegen und das Rückfahrticket gleich mitkaufen :)

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